Ganzjahresreifentest 2026: Pirelli gewinnt vor Continental und Goodyear

Ganzjahresreifen müssen einen schwierigen Spagat meistern: Im Winter sollen sie auf Schnee ausreichend Traktion und Seitenführung bieten, bei Regen Aquaplaningreserven und kurze Bremswege ermöglichen und gleichzeitig auch bei sommerlichen Temperaturen sicher und präzise funktionieren. Wie unterschiedlich aktuelle Modelle diese Anforderungen erfüllen, zeigt der Ganzjahresreifentest 2026 von GTÜ, AUTO ZEITUNG, ACV und ARBÖ. Zehn Reifen der Dimension 225/45 R17 wurden unter winterlichen Bedingungen in Nordschweden sowie bei Nässe und auf trockener Fahrbahn in Spanien geprüft.

Das wichtigste Ergebnis: Der Pirelli Cinturato All Season SF3 gewinnt den Ganzjahresreifentest 2026 mit 411 von 450 möglichen Punkten. Auf den weiteren Plätzen folgen der Continental AllSeasonContact 2 mit 384 Punkten und der Goodyear Vector 4Seasons Gen-3 mit 380 Punkten.

Zehn Ganzjahresreifen im Winter- und Sommertest

Für den Vergleich wurden Modelle von Bridgestone, Continental, Falken, Giti, Goodyear, Hankook, Linglong, Michelin, Nokian und Pirelli ausgewählt. Das Testfeld reicht damit von etablierten Premiumherstellern über Anbieter aus dem mittleren Preissegment bis zu vergleichsweise günstigen Marken. Gerade diese breite Auswahl macht den Vergleich interessant, denn die Ergebnisse zeigen, dass weder Markenimage noch Kaufpreis allein zuverlässige Rückschlüsse auf die tatsächlichen Fahreigenschaften zulassen.

Die Winterprüfungen fanden im Februar bei frostigen Temperaturen auf verschneiten Strecken in Nordschweden statt. Im Mai wechselten die Tester nach Spanien, wo die Reifen unter deutlich wärmeren Bedingungen auf nasser und trockener Fahrbahn untersucht wurden. Diese Aufteilung ist für einen Ganzjahresreifentest besonders wichtig, weil Allseason-Reifen in einem deutlich größeren Temperaturbereich funktionieren müssen als reine Sommer- oder Winterreifen. Während eine wintertaugliche Gummimischung bei Kälte elastisch bleiben soll, darf derselbe Reifen bei hohen Temperaturen nicht zu weich werden und dadurch Präzision oder Bremsleistung verlieren.

GTÜ Ganzjahresreifentest 2026 auf verschneiter Teststrecke
Die Winterprüfungen des Ganzjahresreifentests 2026 fanden auf verschneiten Strecken in Nordschweden statt.

Das Gesamtergebnis des Ganzjahresreifentests 2026

In der Gesamtwertung setzt sich der Pirelli Cinturato All Season SF3 deutlich von seinen direkten Verfolgern ab. Dahinter liegen Continental und Goodyear relativ dicht beieinander. Michelin und Bridgestone folgen auf den Plätzen vier und fünf, während Hankook mit 367 Punkten ebenfalls noch Anschluss an die Spitzengruppe hält. Auffällig ist zugleich der Abstand zum hinteren Teil des Testfeldes: Zwischen dem Testsieger Pirelli und dem zehntplatzierten Falken liegen mehr als 100 Punkte.

1.
Pirelli Cinturato All Season SF3
411 P.
2.
Continental AllSeasonContact 2
384 P.
3.
Goodyear Vector 4Seasons Gen-3
380 P.
4.
Michelin CrossClimate 3
375 P.
5.
Bridgestone Turanza AllSeason 6
371 P.
6.
Hankook H750 Kinergy 4S 2
367 P.
7.
Nokian Tyres Seasonproof 2
355 P.
8.
Giti Allseason AS2
340 P.
9.
Linglong Sport Master 4S
324 P.
10.
Falken Euroall Season AS220 Pro
307 P.

Pirelli Cinturato All Season SF3 gewinnt durch seine Ausgewogenheit

Der Pirelli Cinturato All Season SF3 entscheidet den Ganzjahresreifentest 2026 mit 411 von 450 möglichen Punkten für sich. Ausschlaggebend ist dabei nicht allein eine herausragende Einzeldisziplin, sondern vor allem die ausgewogene Leistung unter sehr unterschiedlichen Bedingungen. Auf Schnee erreicht der Pirelli solide 127 Punkte, während er sowohl auf nasser als auch auf trockener Fahrbahn mit jeweils 142 Punkten die höchste Wertung des gesamten Testfeldes erzielt. Damit verbindet er eine ordentliche Wintertauglichkeit mit besonders starken Leistungen unter sommerlichen Bedingungen.

Besonders deutlich wird seine Stärke bei den Bremsversuchen. Auf nasser Fahrbahn kommt der Pirelli bei einer Vollbremsung aus 100 km/h bereits nach 44,9 Metern zum Stillstand. Der zweitbeste Continental benötigt 45,9 Meter und steht damit einen Meter später. Auf trockenem Asphalt fällt der Vorsprung noch größer aus: Hier benötigt der Pirelli lediglich 36,2 Meter, während der zweitbeste Bridgestone nach 37,5 Metern zum Stillstand kommt. Hinzu kommen eine hohe Fahrsicherheit, schnelle Handlingzeiten und ein insgesamt sehr stabiles Leistungsbild.

Continental AllSeasonContact 2 mit sehr starken Wintereigenschaften

Der Continental AllSeasonContact 2 erreicht mit 384 Punkten den zweiten Platz und zeigt eine deutlich winterorientierte Abstimmung. Auf Schnee sammelt der Continental 134 Punkte und muss sich in dieser Kategorie lediglich dem Michelin geschlagen geben. Die Tester beschreiben sein Verhalten auf verschneiter Fahrbahn als griffig, stabil und gut kontrollierbar. Auch die Traktion und der Bremsweg liegen auf hohem Niveau, sodass der Continental besonders bei winterlichen Bedingungen zu den stärksten Reifen des Vergleichs gehört.

Bei steigenden Temperaturen bleibt der Continental insgesamt ausgewogen, erreicht auf trockener Fahrbahn jedoch nicht die Bremsleistung des Pirelli oder Bridgestone. Beim Bremsen aus 100 km/h benötigt er 39,7 Meter. Dafür punktet er mit vergleichsweise geringem Abrieb, guter Laufleistung, Komfort und einem maßvollen Rollwiderstand. Genau diese Mischung aus ausgeprägter Wintertauglichkeit und weiterhin guten Sommereigenschaften bringt ihm am Ende den zweiten Platz.

Goodyear Vector 4Seasons Gen-3 überzeugt bei Nässe und Laufleistung

Nur vier Punkte hinter Continental landet der Goodyear Vector 4Seasons Gen-3 auf Rang drei. Mit jeweils 127 Punkten auf Schnee und 130 Punkten auf nasser Fahrbahn zeigt der Goodyear besonders unter schwierigen Wetterbedingungen ein solides Leistungsniveau. Bei Regen überzeugen schnelle Zeiten im Handling und auf der Kreisbahn sowie ein insgesamt sicheres Fahrverhalten. Gleichzeitig verliert der Reifen jedoch auf trockener Fahrbahn wichtige Punkte.

Mit einem Trockenbremsweg von 41,1 Metern verzeichnet der Goodyear den längsten Bremsweg dieser Disziplin im gesamten Testfeld. Dies verhindert eine bessere Gesamtplatzierung. Einen deutlichen Pluspunkt gibt es dagegen bei der Haltbarkeit: Im Labor wurde für den Vector 4Seasons Gen-3 eine Laufleistung von 50.500 Kilometern prognostiziert. Damit erzielt er den höchsten Wert aller zehn getesteten Ganzjahresreifen.

Michelin CrossClimate 3 ist der Schneespezialist

Eine besonders ausgeprägte Charakteristik zeigt der Michelin CrossClimate 3. Während Pirelli den Test durch seine Ausgewogenheit gewinnt, setzt Michelin eindeutig auf maximale Winterleistung. Mit 149 von 150 möglichen Punkten erzielt der CrossClimate 3 die mit Abstand höchste Schneewertung des gesamten Vergleichs. Seine Traktion erreicht mit 2.458 Newton den Spitzenwert, auch bei der Seitenführung liegt Michelin ganz vorne. Beim Bremsen aus 50 km/h kommt der Reifen nach 30,2 Metern zum Stillstand und gehört damit ebenfalls zur Spitze.

Diese außergewöhnlich starke Schneeperformance geht allerdings zulasten anderer Eigenschaften. Auf nasser Fahrbahn erreicht der Michelin lediglich 103 Punkte. Besonders beim Nasshandling bleibt er deutlich hinter Pirelli, Nokian oder Goodyear zurück. Auf trockener Straße erreicht er 123 Punkte und zeigt sich dort deutlich unauffälliger als im Winter. Seine herausragenden Schneeeigenschaften reichen dennoch für 375 Gesamtpunkte und damit Rang vier.

Ganzjahresreifen auf verschneiter Teststrecke in Nordschweden
Der Michelin CrossClimate 3 erzielt mit 149 von 150 Punkten die beste Schneewertung des Tests.

Bridgestone Turanza AllSeason 6 zeigt seine Stärke im Trockenen

Der Bridgestone Turanza AllSeason 6 landet mit 371 Punkten auf Platz fünf. Auf Schnee liefert er mit 125 Punkten ein ordentliches Ergebnis, ohne in einer einzelnen Winterdisziplin besonders hervorzustechen. Bei Nässe fällt seine Leistung mit 108 Punkten dagegen verhaltener aus. Der Reifen neigt hier vergleichsweise früh zum Untersteuern und erreicht nicht das Gripniveau der stärksten Nassreifen.

Auf trockener Fahrbahn ändert sich das Bild deutlich. Mit 138 Punkten erreicht Bridgestone hinter Pirelli die zweitbeste Trockenwertung des gesamten Tests. Der Bremsweg aus 100 km/h beträgt 37,5 Meter, dazu kommen eine gute Fahrdynamik, ein niedriger Rollwiderstand und eine prognostizierte Laufleistung von 50.250 Kilometern. Damit zeigt der Turanza AllSeason 6 besonders deutlich, wie unterschiedlich ein Ganzjahresreifen je nach Fahrbahnzustand abschneiden kann.

Hankook Kinergy 4S 2 mit ausgewogenem Gesamtbild

Der Hankook H750 Kinergy 4S 2 erreicht 367 Punkte und belegt damit Rang sechs. Mit 130 Punkten auf Schnee gehört der Reifen zu den stärkeren Winterkandidaten. Sein Fahrverhalten bleibt gutmütig und kontrollierbar, auch wenn größere Lenkwinkel erforderlich sind. Bei sommerlichen Bedingungen präsentiert sich der Hankook insgesamt ausgewogen, erreicht jedoch nicht ganz das Niveau seiner Schneeleistung.

Bei Nässe zeigt sich ein gemischtes Bild. Auf der Kreisbahn erzielt der Hankook eine sehr schnelle Zeit und verfügt über gute Reserven beim Kurvenaquaplaning, gleichzeitig fällt der Nassbremsweg mit 49,1 Metern vergleichsweise lang aus. Auf trockener Fahrbahn bleibt das Verhalten problemlos, das Gripniveau liegt aber nur im Mittelfeld. Insgesamt ergibt sich daraus ein solides, aber nicht herausragendes Gesamtpaket.

Nokian Seasonproof 2 überrascht mit sehr guter Nasshaftung

Ausgerechnet auf Schnee bleibt der Nokian Tyres Seasonproof 2 hinter den Erwartungen zurück. Mit 105 Punkten erreicht er dort nur eine vergleichsweise schwache Bewertung. Zugkraft und Seitenführung sind begrenzt, womit Nokian in einer Disziplin Punkte verliert, in der die Marke traditionell besonders hohe Erwartungen weckt. Ganz anders fällt das Ergebnis auf nasser Straße aus: Mit 141 Punkten erreicht der Seasonproof 2 die zweitbeste Nasswertung des gesamten Vergleichs und liegt nur einen Punkt hinter dem Testsieger Pirelli.

Bei Regen überzeugt der Nokian mit hoher Drainageleistung, guten Fahreigenschaften und einem Bremsweg von 46,3 Metern. Auch beim Rollwiderstand setzt er mit 7,6 kg/t den Bestwert des gesamten Testfeldes. Auf trockener Fahrbahn reicht es allerdings nur zu 109 Punkten. Der Seasonproof 2 gehört damit zu den Reifen, deren Stärken und Schwächen besonders deutlich von den jeweiligen Straßenbedingungen abhängen.

Giti stark auf Schnee, schwächer bei Nässe und Verschleiß

Der Giti Allseason AS2 erzielt 340 Punkte und landet damit auf Rang acht. Seine stärkste Disziplin ist überraschend der Schnee. Mit 131 Punkten erreicht er hier sogar die drittbeste Kapitelwertung des gesamten Testfeldes. Besonders auffällig ist der Bremsweg: Aus 50 km/h steht der Giti nach nur 30,0 Metern und erzielt damit den kürzesten Schneebremsweg aller getesteten Reifen. Auch beim Aquaplaning zeigt er hohe Reserven.

Bei Nässe kann der Giti dieses Niveau jedoch nicht halten. Der Bremsweg aus 100 km/h beträgt 50,4 Meter und ist damit der längste des gesamten Vergleichs. Auch beim Verschleiß fällt der Reifen negativ auf. Mit 0,192 Millimetern Abrieb je 1.000 Kilometer wird der höchste Abrieb gemessen, während die prognostizierte Laufleistung mit 29.250 Kilometern den niedrigsten Wert des Tests darstellt. Diese Gegensätze kosten den Giti viele Punkte in der Gesamtwertung.

Linglong lockt mit niedrigem Preis, muss aber Kompromisse eingehen

Der Linglong Sport Master 4S ist mit einem zum Testzeitpunkt ermittelten Satzpreis von rund 325 Euro deutlich günstiger als die übrigen Kandidaten. In der Gesamtwertung erreicht er jedoch nur 324 Punkte und landet damit auf dem vorletzten Platz. Auf Schnee neigt der Reifen zu einem frühen Haftungsabriss an der Vorderachse und starkem Untersteuern. Auch bei Nässe zählt er nicht zu den überzeugenden Kandidaten und bietet vergleichsweise geringe Aquaplaningreserven.

Auf trockener Fahrbahn kann der Linglong einen Teil seines Rückstands aufholen, bleibt aber auch hier hinter den Spitzenmodellen. Besonders auffällig ist der hohe Rollwiderstand von 9,7 kg/t, der mit deutlichem Abstand den ungünstigsten Wert des Vergleichs darstellt. Auch die prognostizierte Laufleistung von 32.000 Kilometern fällt nur mäßig aus. Der günstige Anschaffungspreis relativiert sich dadurch zumindest teilweise.

Falken Euroall Season AS220 Pro landet auf Rang zehn

Mit 307 Punkten bildet der Falken Euroall Season AS220 Pro das Schlusslicht des Ganzjahresreifentests 2026. Besonders deutlich fällt sein Rückstand auf Schnee aus. Dort erreicht er lediglich 88 Punkte und bietet weniger Grip als die übrigen Kandidaten, auch wenn sein Verhalten grundsätzlich vorhersehbar bleibt. Anders als die meisten aktuellen Ganzjahresreifen des Testfeldes verwendet der Falken ein asymmetrisches statt eines laufrichtungsgebundenen Profildesigns.

Auch bei Nässe sammelt der Falken mit 102 Punkten die wenigsten Zähler des Vergleichs. Auf trockener Fahrbahn fällt sein Rückstand geringer aus, zu einer deutlichen Stärke entwickelt sich aber auch diese Disziplin nicht. Die GTÜ weist allerdings darauf hin, dass inzwischen eine überarbeitete Version erhältlich ist, die unter anderem mehr Schneegrip bieten soll. Die im Test ermittelten Werte beziehen sich auf die tatsächlich geprüfte Version.

Ganzjahresreifentest auf trockener Fahrbahn
Die sommerlichen Nass- und Trockenprüfungen wurden im Mai in Spanien durchgeführt.

Das EU-Reifenlabel zeigt nicht alle Unterschiede

Ein besonders interessantes Ergebnis des Tests betrifft die Aussagekraft des EU-Reifenlabels. Sowohl der Pirelli Cinturato All Season SF3 als auch der Giti Allseason AS2 tragen bei der Nasshaftung die Einstufung A. In den Fahrversuchen liegen beide Reifen dennoch deutlich auseinander. Während der Pirelli beim Bremsen aus 100 km/h nach 44,9 Metern steht, benötigt der Giti 50,4 Meter. Zwischen zwei Reifen mit derselben Nasshaftungsklasse liegen damit 5,5 Meter Bremsweg.

Der Vergleich macht damit deutlich: Ein einzelner Labelwert kann die Gesamtleistung eines Reifens nicht vollständig abbilden. Erst Bremsweg, Fahrverhalten, Aquaplaningreserven, Schneegriffigkeit, Verschleiß, Rollwiderstand und weitere Messwerte zeigen, wie ausgewogen ein Ganzjahresreifen tatsächlich ist.

Laufleistung, Abrieb und Rollwiderstand gehören ebenfalls zum Test

Neben den Fahrversuchen untersuchten die Tester auch Kriterien, die im Alltag für Kosten und Umweltwirkung relevant sind. Dazu gehörten Abrieb, Rollwiderstand, Geräuschentwicklung und die prognostizierte Laufleistung. Für die Laufleistungsprognose absolvierten die Reifen unter Laborbedingungen mehrere Tausend Kilometer auf einem Prüfstand. Eine Steuerelektronik simulierte dabei die Kräfte und Beanspruchungen des Straßenverkehrs. Die Ergebnisse ermöglichen einen direkten Vergleich der Reifen unter reproduzierbaren Bedingungen, wobei die tatsächliche Laufleistung im Alltag abhängig von Fahrzeug, Fahrstil und Streckenprofil abweichen kann.

Die höchste prognostizierte Laufleistung erzielt der Goodyear Vector 4Seasons Gen-3 mit 50.500 Kilometern, dicht gefolgt vom Bridgestone Turanza AllSeason 6 mit 50.250 Kilometern und dem Michelin CrossClimate 3 mit 49.750 Kilometern. Beim Rollwiderstand liegt Nokian mit 7,6 kg/t an der Spitze, während Michelin beim Abrieb besonders günstig abschneidet. Der Vergleich zeigt damit, dass ein guter Ganzjahresreifen nicht nur bei Schnee, Regen und trockener Fahrbahn überzeugen muss, sondern auch wirtschaftliche und ökologische Eigenschaften eine Rolle spielen.

Moderne Ganzjahresreifen werden immer leistungsfähiger

Der Ganzjahresreifentest 2026 zeigt insgesamt ein hohes Leistungsniveau. Mehrere Kandidaten erreichen auf Schnee Werte, die noch vor einigen Jahren bei Allseason-Reifen kaum vorstellbar gewesen wären. Gleichzeitig bleiben die physikalischen Zielkonflikte bestehen. Eine besonders weiche, wintertaugliche Mischung kann bei sommerlichen Temperaturen Nachteile haben, während eine auf trockenen Asphalt optimierte Konstruktion auf Schnee oder bei starkem Regen früher an ihre Grenzen kommen kann.

Genau deshalb unterscheiden sich die Charaktere der getesteten Modelle teilweise erheblich. Michelin setzt eindeutig auf maximale Schneeperformance, Nokian überzeugt besonders bei Nässe und Bridgestone zeigt seine Stärken auf trockenem Asphalt. Continental verbindet eine ausgeprägte Wintertauglichkeit mit einem insgesamt ausgewogenen Ergebnis, während Goodyear unter anderem mit hoher prognostizierter Laufleistung punktet. Der Pirelli schafft es hingegen, in keiner wichtigen Disziplin stark abzufallen und gleichzeitig bei Nässe und Trockenheit die höchsten Punktzahlen zu erreichen.

Fazit: Pirelli Cinturato All Season SF3 gewinnt den Ganzjahresreifentest 2026

Der Pirelli Cinturato All Season SF3 bietet im Ganzjahresreifentest 2026 den überzeugendsten Kompromiss aus Wintertauglichkeit, Nasshaftung und Sommerperformance. Seine 127 Punkte auf Schnee reichen zwar nicht an die außergewöhnliche Winterleistung des Michelin heran, dafür setzt sich der Pirelli bei Nässe und auf trockener Fahrbahn jeweils mit 142 Punkten an die Spitze des Testfeldes. Besonders die kurzen Bremswege verschaffen ihm einen deutlichen Vorteil gegenüber seinen Konkurrenten. Mit insgesamt 411 von 450 möglichen Punkten gewinnt er den Test klar vor dem Continental AllSeasonContact 2 und dem Goodyear Vector 4Seasons Gen-3.

Der Vergleich zeigt allerdings auch, dass die Gesamtplatzierung allein nicht jede Frage beantwortet. Während für Autofahrer in schneereichen Regionen vor allem Traktion, Seitenführung und Bremsleistung auf winterlicher Fahrbahn entscheidend sind, spielen bei überwiegend milden Bedingungen die Eigenschaften auf nasser und trockener Straße eine größere Rolle. Gerade hier macht der Test sichtbar, wie unterschiedlich die Hersteller ihre Ganzjahresreifen abstimmen. Die detaillierten Einzelwertungen geben deshalb wesentlich mehr Aufschluss über die tatsächlichen Stärken und Schwächen eines Modells als die reine Platzierung oder ein einzelner Wert des EU-Reifenlabels.

Testgrundlage: Ganzjahresreifentest 2026 von GTÜ, AUTO ZEITUNG, ACV Automobil-Club Verkehr und ARBÖ. Getestete Reifendimension: 225/45 R17. Die angegebenen Messwerte und Bewertungen beziehen sich auf die im Vergleich geprüften Reifen, die jeweilige getestete Produktversion und die definierten Testbedingungen.

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